ETF-Entnahmeplan: Wie lange reicht dein Kapital? Mit Rechner

Stand: · Lesezeit ca. 5 Min. · Redaktion finanzen-2026.de

Glas-Sanduhr mit tropfenden Goldmünzen und Glasbaum als Sinnbild für einen ETF-Entnahmeplan

Wer jahrelang in ETFs gespart hat, steht irgendwann vor der Frage: Wie entnehme ich Geld, ohne das Kapital zu schnell aufzubrauchen? Ein Entnahmeplan legt fest, wie viel du regelmäßig aus dem Depot nimmst. Wie lange das Kapital reicht, hängt von drei Dingen ab: der Höhe der Entnahme, der Rendite und der Zeit. Mit dem Rechner unten kannst du das für deine Zahlen durchspielen. Alle Ergebnisse sind Modellrechnungen, keine Prognosen und keine Anlageberatung.

Was ist ein ETF-Entnahmeplan?

Ein Entnahmeplan (auch Auszahlplan genannt) verkauft regelmäßig Anteile deines Depots und zahlt dir den Erlös aus, zum Beispiel monatlich. Du kannst ihn bei vielen Brokern einrichten, oder du verkaufst selbst nach Bedarf. Der Rest des Kapitals bleibt investiert und wächst weiter, schwankt aber auch weiter mit den Märkten.

Rechner: Wie lange reicht dein Kapital?

Modellrechnung mit gleichbleibender Rendite, vor Steuern und Gebühren, ohne Gewähr. Echte Renditen schwanken, besonders bei Aktien-ETFs. Keine Anlage- oder Steuerberatung.

Gib dein Startkapital, die gewünschte monatliche Entnahme und eine angenommene Rendite ein. Der Rechner zeigt, wie viel nach dem gewählten Zeitraum übrig bleibt und wie lange das Kapital reichen würde. Mit der Inflationsanpassung kannst du simulieren, dass die Entnahme jährlich steigt, damit ihre Kaufkraft bleibt.

Beispiele: So lange reichen 200.000 €

Die Tabelle zeigt, wie lange 200.000 € bei verschiedenen Entnahmen und jährlichen Renditen reichen (gleichbleibende Rendite, ohne Steuern, ohne Inflationsanpassung):

Monatliche Entnahme 3 % Rendite 4 % Rendite 5 % Rendite
600 € 59 Jahre 10 Monate länger als 60 Jahre länger als 60 Jahre
800 € 32 Jahre 9 Monate 44 Jahre 11 Monate länger als 60 Jahre
1.000 € 23 Jahre 2 Monate 27 Jahre 7 Monate 35 Jahre 11 Monate

Echte Renditen schwanken. Eine Tabelle mit festen Prozentsätzen zeigt nur, wie sensibel das Ergebnis auf kleine Änderungen reagiert. Schon ein Prozentpunkt weniger Rendite verkürzt die Laufzeit stark.

Die 4-%-Regel: Faustformel mit Grenzen

Eine verbreitete Faustformel besagt, dass man im ersten Jahr etwa 4 % des Startkapitals entnehmen und den Betrag danach an die Inflation anpassen kann. Sie beruht auf Auswertungen historischer US-Marktdaten und soll sicherstellen, dass das Kapital über rund 30 Jahre reicht. Wichtig sind die Grenzen: Die Regel garantiert nichts, sie stammt aus einem anderen Markt und Zeitraum, und sie berücksichtigt weder deutsche Steuern noch Kosten. Bei einem Startkapital von 300.000 € wären 4 % pro Jahr 12.000 €, also 1.000 € im Monat. Im Rechner bleibt das Kapital dann bei 4 % Rendite über 30 Jahre ungefähr erhalten, bei 3 % Rendite sinkt es auf rund 154.000 €, bei 5 % steigt es auf rund 508.000 €. Nutze die Zahl als Orientierung, nicht als Versprechen.

Kleiner und großer Glasbaum mit goldenen Münzen als Sinnbild dafür, wie Zeit das Kapital wachsen lässt

Das Reihenfolge-Risiko

Fallen die Kurse gleich zu Beginn der Entnahmephase stark, verkaufst du Anteile zu niedrigen Preisen. Das Kapital schrumpft dann schneller, obwohl der Durchschnitt über viele Jahre gleich sein kann. Man spricht vom Reihenfolge-Risiko (Sequence-of-Returns-Risiko). Mögliche Gegenmittel sind ein Cash-Puffer für ein bis drei Jahre Entnahmen, eine flexible Entnahmehöhe in schlechten Börsenjahren und ein ausreichend breit gestreutes Portfolio.

Entnahmestrategien im Überblick

Strategie So funktioniert es Hinweis
Fester Betrag Jeden Monat dieselbe Summe Planbar, aber nicht flexibel bei Börsenabschwüngen
Fester Prozentsatz Jährlich ein Prozentsatz des aktuellen Depotwerts Kapital geht nie aus, Einkommen schwankt
Cash-Puffer Ein bis drei Jahre Entnahmen als Rücklage, z. B. auf Tagesgeld Verringert das Reihenfolge-Risiko
Ausschüttende ETFs Erträge fließen automatisch aufs Konto Siehe thesaurierend oder ausschüttend

Steuern bei der Entnahme

Beim Verkauf von ETF-Anteilen wird nur der Gewinnanteil besteuert, nicht der gesamte Erlös. Banken verkaufen steuerlich meist nach dem FIFO-Prinzip, also die ältesten Anteile zuerst. Ein Beispiel: Du verkaufst Anteile für 10.000 €, davon sind 4.000 € Gewinn. Bei einem Aktien-ETF sind 30 % Teilfreistellung abzuziehen, es bleiben 2.800 € steuerpflichtig. Ohne Freistellungsauftrag fallen darauf 26,375 % an, also 738,50 €. Mit einem ausreichenden Freistellungsauftrag bleiben bis zu 1.000 € steuerfrei. Bei thesaurierenden ETFs kann zusätzlich die Vorabpauschale anfallen. Die Regeln sind komplex, hol dir bei Bedarf Rat bei einer Steuerberatung.

Entnahmeplan einrichten: Schritt für Schritt

  1. Bedarf ermitteln: Wie viel brauchst du monatlich, und wie viel decken Rente und andere Einkünfte ab? Einen Überblick gibt der Ratgeber Altersvorsorge-Grundlagen.
  2. Rechnen: Mit dem Rechner testest du mehrere Renditeannahmen, auch niedrige.
  3. Puffer bilden: Lege einen Teil als Cash-Reserve zurück.
  4. Auszahlplan beauftragen: Viele Broker bieten dafür Funktionen an. Die Konditionen unterscheiden sich, prüfe sie im Depot-Vergleich.
  5. Jährlich prüfen: Passe die Entnahme an, wenn sich Kurse oder Bedarf stark ändern.

Typische Fehler

  • Eine feste Rendite als sicher annehmen.
  • Steuern und Inflation vergessen.
  • Zu hohe Entnahme in den ersten Jahren, besonders bei fallenden Kursen.
  • Kein Puffer, sodass in Abschwüngen Anteile mit Verlust verkauft werden müssen.

Häufige Fragen

Wie viel kann ich pro Monat aus meinem ETF-Depot entnehmen?

Das hängt von Kapital, Renditeerwartung und Zeitraum ab. Als Faustformel gilt die 4-%-Regel, sie ist aber keine Garantie. Rechne mit mehreren Szenarien.

Wie lange reicht mein Kapital?

Der Rechner zeigt es für gleichbleibende Renditen. Echte Verläufe schwanken, deshalb sind Puffer sinnvoll.

Was ist besser: ausschüttende oder thesaurierende ETFs in der Entnahme?

Ausschüttende ETFs liefern laufende Zahlungen, thesaurierende kannst du anteilig verkaufen. Steuerlich gibt es Unterschiede, mehr in unserem Vergleichsratgeber.

Wird die Entnahme besteuert?

Ja, der Gewinnanteil unterliegt der Abgeltungsteuer, bei Aktienfonds mit Teilfreistellung und Freistellungsauftrag.

Brauche ich einen Cash-Puffer?

Er ist keine Pflicht, kann aber das Reihenfolge-Risiko verringern, weil du in schlechten Phasen keine Anteile verkaufen musst.

Kann das Kapital ausgehen?

Ja, bei zu hohen Entnahmen oder schwachen Märkten. Prüfe den Plan regelmäßig.

Stand: Oktober 2026 · Modellrechnungen, keine Anlage- oder Steuerberatung. Renditen sind nicht garantiert, Kapitalanlagen können Verluste bringen.

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